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Der moderne Hofnarr

Der Hofnarr war im Mittelalter so etwas wie das Öffentliche was im Kämmerlein gedacht wurde.

Er personifizierte am Hofe das unterworfene Volk und durfte scheinbar zu allen Seiten der Gesellschaftlichkeit jedwedes Kalauern, in unbeschwerter Narrenfreiheit. In bezahlten Diensten seiner (Be)Herrscher wurden eben diese mit samt ihrer Machtgier, Schwäche, Eitelkeit und Greuel einer Fron-Gemeinde als etwas zu belustigendes karikiert. Die Dargestellten und Zuschauer lachten im Besonderen zustimmend und nicht selten klerikal entsündigt. Sie wurden über die veralbernden Worte, Gesänge und Gestiken, die ihre über erlebte Erfahrung gebildete Meinung bestätigten, ohne leidliche Konsequenzen für die zur passiven Hörerschaft gedrängten, emotional und kritisch erlöst.

Erlöst…, oder doch nur gelähmt?

Der wesentliche Sinn des Hofnarren war ein Volksbegehren in das Lächerliche zu ziehen, im ungeeigneten Fall konnte gar der Missmut des Machthabers heraufbeschworen werden. Er war nicht nur die karikierte Stimme des Volkes die es galt bei den Herrschenden zu bagatellisieren, er diente auch als Barriere gegen eine direkte Konfrontation. So konnten auch die Gebeutelten darüber lachen, wenn das zu ertragende Leid mit der unerträglichen Dummheit des Verursachers begründet wurde. Es war so möglich, jegliches Vergehen von eben diesen Beherrscher als eine offensichtliche Dummheit anzusehen, die im Nachhinein zwar das Leid vermehrten jedoch im Vorhinein durchschaubar waren. Ein Vergehen welches im geeigneten Moment vom Hofnarr beim Namen genannt werden muss um als eine Lächerlichkeit entlarvt zu werden. Dieser, so dachte man, ist dumm genug den Kopf herzuhalten ohne das man durchschaute wer wen für dumm genug hielt… dies zu glauben, dass man für dumm… verkauft wurde.

Der moderne Hofnarr – BRD Kabarettisten und die, die am Ende über sich selbst lachen werden:

Polit-Humor?

In heutiger Zeit kann der moderne Hofnarr, auch sogenannter politischer Kabarettist, den Anspruch eines regierungstrollenden Kritikneutralisierer für sich allein behaupten. Wahrheiten die über etablierte Medien, wie das Internet, immer schwieriger werden zu verheimlichen, werden absurd progressiv in witzelnden Gleichmut einer protestlosen bewegungsstarren Öffentlichkeit dargeboten, als eine Offenbarung der komplexen Lächerlichkeit, mit dem Streben nach verharmlosender Dummheit.

Volker Pispers: Bis neulich (2004)

In sinnferner Aktionslosigkeit verkümmert das Publikum von einem empörten Volk zu einer amüsierten Masse von passiver Zivilcourage: ohne Worte, ohne Widerspruch, ohne Wertbekundung.

Er, der politische Kabarettist, spricht das aus was die Meinungs-Inquisition über die staatliche Zensur untersagt und dient somit als vermeintliches Sprachrohr einer sich selbst monologisierenden Intellektualität. Er sorgt sich über den zu bewahrenden Polithumor und

Dumm! & Dümmer?

seiner lähmenden Entwirklichung. Er gestaltet ein neues Wahrheitsempfinden über das Anreihen von genehmigten Wortschmeichel um den so polierten Satz zu einer entgegen der eigentlichen Aussage stehenden belustigenden Erkenntnis zu stellen. Das die aussagende Konsequenz des gesamten Textes sie, das inaktive Publikum selbst, im Nachhinein zu den Narren macht über die das System im Vorhinein schon lacht, entgeht der Eitelkeit einer naiven Selbstsicht!

    Entweder Broder oder die Deutschland Safari

      Wer es versteht eine Masse zu belustigen, verhindert deren Aktionismus, fördert die Lähmung von Motivation, verharmlost die Wirklichkeit.

      Es zählt für diese einzig das Dabeisein, den Drang sich selbst zur Schau stellen als neutralisierendes Zeugnis moderner Moral einer gehaltlosen Protestbekundung.

      Immer häufiger verkümmert das revolutionäre Wort auf öffentlichen Kundgebungen zu Sonntäglichen Wanderungen mit blumenverteilenden Clowns und keulenjonglierenden Zirkusartisten, im schlichtesten Fall: zum virtuellen Public-Viewing!

      Das informierte dagegen sein, wird durch das präsentierende dabei sein ersetzt. Und wie immer wird von den Hofnarren das ausgesprochen was man selbst hätte sagen müssen, nur ohne entfremdenden Humor dafür aber in: bewusster Überzeugung!

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